2019 0927 Jury Bericht Projekt Klimawandel + Kunstpositionen.pdf
ALLGEMEIN

Idee

Im April 2019 entsteht die Idee zum Projekt Klimawandel + Kunstpositionen, nachdem sich die Galeristin Susanna Hofmann fragt „Was kann der Kunstraum Egg als kleine private Institution zum Thema Klimawandel / Klimaschutz beitragen. Kann sie das überhaupt?“. Die Frage erweitert sich zu den Fragen „Was ist die Aufgabe von Kunst?“ und „Was kann die Aufgabe von Künstler*innen sein in dieser Thematik?“

Nach Recherchen im Internet lassen sie folgende Antworten finden, die für dieses Projekt passend scheinen: „Climate is everyone’s business“ von David Buckland (Gründer Capefarewell, Künstler, London) und „Künstler*innen haben die Aufgabe Menschen zu bewegen“ von Siobhán Mc Donald (Künstlerin, Irland). 

Die Konklusion der Galeristin „Wer sich als Einzelner bewegt, bekommt die Möglichkeit, Viele zu inspirieren und kann es schaffen, eine Menge zu bewegen!“ ist schliesslich ihr OK zum definitiven Start ins Ungewisse. 

Start

Ein Inserat zur Ausschreibung im Kunstbulletin, ein redaktioneller Beitrag in demselben (in der darauffolgenden Ausgabe) sowie die Veröffentlichung auf einer Internet Plattform für Skulpturen – europaweit aufgeschaltet – verlängert die Präsenz und verstärkt den medialen Auftritt. Die sozialen Medien werden zusätzlich bedient. 

Ausschreibung

„Gesucht werden Kunstschaffende – idealerweise Bildende Kunst – die sich in ihrer Arbeit mit der Thematik Klimawandel, Klimaschutz beschäftigen. Gefragt sind Visionen, Fakten, mögliche Szenarien, Konzepte. Ob Treibhausgase, Verschmutzung der Meere, das Artensterben oder Monokulturen – alles sind sie Realitäten unserer Zeit und haben schädliche Auswirkungen auf den Planeten Erde, die Natur und auf uns Menschen, die bleibend und kaum rückgängig zu machen sind. Das Feld ist weit und offen. Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – das würde den Rahmen der Galerie sprengen. Berücksichtigt werden v.a. auch künstlerisch interessante Ideen, die sensibilisieren, drängende Fragen und (unbekannte) Zusammenhänge visualisieren und zu konstruktiven Denkanstössen anregen.“

DOSSIER 

Die Eingabefrist ist der 30. August 2019.

Allgemein

Im Juni und Juli tröpfeln erste Dossiers ein – 5, 10 an der Zahl. Die Frage bleibt „Wird das etwas, was wird das?“ Die Vorarbeiten gehen weiter, „das Projekt wird werden – ja, es wird!“ – bei 15 ein erstes Aufatmen „damit lässt sich arbeiten“. Nächste Dossiers kommen nach den Sommerferien und kurz vor Eingabefrist erst steigert sich die Zahl. Der 30. August ist ein aktiver Tag... Und was nachts um 00:00 Uhr endet „wird um 23 Uhr wohl niemand mehr nutzen“. Weit gefehlt! Und einmal mehr erkannt... „man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ (hier „beenden“)„ja, die Zeit wird rege genutzt“ und quasi „5 vor zwölf“ kommt dann das letzte Dossier per Mail!

Statistik

Anzahl Dossiers – 58

Länderanteil – CH (53x,16 Kantone), D (4x, diverse Regionen), I (1x, Norditalien)

Altersstruktur – vertreten sind 7 Jahrzehnte: 1930er bis 1990er Jahre

Geschlechteranteil – 21 Männer, 38 Frauen

JURY I JURIERUNG

Mitglieder

Frank Auderset – Präsident VSG Verband zum Schutz des Greifensees – greifenseeschutz.ch

Jeremias Bucher – MAS Fine Arts HdK LU, Design + Kunst – jeremiasbucher.ch

Lucia Angela Cavegn – Kunsthistorikerin, Kunstvermittlerin, Kuratorin, Autorin – kunstweise.ch

Christina Enderli-Fässler – Kunst- und Kulturvermittlerin

Brigitta Gabban – Artist, Kuratorin – brigittagabban.ch

Susanna Hofmann – Galerie Kunstraum Egg – kunstraumegg.ch – Projektleitung

Yvonne Türler-Kürsteiner – Kunsthistorikerin, Musée Visionnaire, Führungen – kunst-kontakt.ch 

Termin

Die Jury tagt am 20. + 21. September 2019.  

Auswahlkriterien

Die Kriterien beziehen sich auf Künstlerpersönlichkeit / Dossier / Ausstellungsidee – sowie Gesamteindruck, Professionalität, künstlerischer Werdegang, Bezug zum Thema, Ausstellungsidee, Aussagekraft, Relevanz, Visualisierung, Transportierbarkeit, Nachhaltigkeit, Nachvollziehbar- und Verständlichkeit, Botschaft, Ausführung, Materialität, Umsetzung, Machbarkeit. 

Bis auf einzelne Dossiers sind alle formal von zufriedenstellend, gut bis sehr gut eingereicht worden und haben die Vorgaben soweit eingehalten und erfüllt. 

Vorgehen

Vorgesehen ist, die Jurierung in 2 Runden (evtl. 3) durchzuführen. Angesichts der Vielzahl eingegangener Dossiers, der Themata und des Umfangs der Dossiers erstellt die Projektleiterin ein „abstract“ zu jedem/r Künstler*in (Thema, Basisgedanken, Ziel und Ausstellungsidee). Diese Übersicht wird offen – d.h. mit Namen – im Vorfeld an die Jurymitglieder zur Einsichtnahme und Vorbereitung verteilt. Eine Anonymisierung scheint unmöglich, allein schon wegen der eingegangenen Videos, die öffentlich zugänglich sind. Am Jurytag selbst und vor der Jurierung wird gemeinsam besprochen und entschieden, dass die Auswahl nicht auf eine min./max. Anzahl beschränkt wird. Die Dossiers sollen nach obgenannten Kriterien beurteilt und ausgewählt werden und dann das weitere Vorgehen bestimmen. Das ist später die kuratorische Herausforderung.

Die Jurierung findet in den Räumlichkeiten des Kunstraum Egg statt. In der 1. Runde werden reihum alle Dossiers gesichtet und nach Kriterienkatalog begutachtet und mit Stimmabgabe als Ja / Nein / Evtl. Entscheid abgegeben. 12 Dossiers erreichen auf Anhieb die Mehrheit an Stimmen, 23 Dossiers fallen durch und erreichen die 2. Runde nicht, 23 Dossiers sind Wackelkandidat*innen und kommen in die 2. Runde. In der 2. Runde werden diese Dossiers nochmals reihum gesichtet und zum Entscheid gebracht. Als Endresultat verbleiben 25 positiv bewertete Dossiers.  

Statistik

15 Frauen, 11 Männer (1 Dossier = Künstlerpaar F/M)

Alter – 1940er bis 1990er Jahre

BEURTEILUNG

Generell

Wir alle (die Jury) sind überwältigt von den unglaublich spannenden, interessanten, in der Ausarbeitung und Thematik vielfältigen wie einfallsreichen, wissenschaftlich fundierten / weniger fundierten Arbeiten von positiver – auch mit erfrischendem Humor – dann wieder weniger positiver Haltung, Gesinnung, Rückbesinnung.... ja, die Thematik bewegt und ist Anlass genug, sich Gedanken darüber zu machen, was „der Klimawandel“ mit einem, mit der Menschheit, der Biodiversität, dem Massensterben, der Schrott-, Konsum- und Plastikgesellschaft tut und wohin die wichtigsten Fragen der heutigen Menschheit führen könn(t)en...  

Ein grosser Vorteil für die Jurierung ist die Einsichtnahme in die Künstler*innen Biografien im Vorfeld der eigentlichen Jurytagung. Das hilft beim Jurieren selbst und die vollständigen Dossiers geben dann noch einen vertieften Einblick in die Arbeiten. Das wirkt sich wiederum positiv auf eine rasche und überzeugte Stimmabgabe sowie das Zeitmanagement aus. In 2 Runden und einer Feedbackrunde konnte so jederzeit motiviert, konzentriert und speditiv gearbeitet werden. Wackelkandidat*innen und offene Fragen wurden gemeinsam diskutiert und schliesslich zum Entscheid gebracht. 

Die Jury ist überzeugt, dass die „abstract-Übersicht“ im Vorfeld und „klare Kriterien“ die Jurierung erleichtern, diese fokussiert lenken und so eine Dossier-Auswahl optimal getroffen werden kann. 

Einmal mehr zeigt sich die ungerade Juryzahl (7) von Vorteil – Pattsituationen lösen sich so am einfachsten. 

DANK 

An dieser Stelle danken wir allen Kandidatinnen und Kandidaten für ihr Vertrauen und die Eingabe ihres Dossiers. Sie sind eine Bereicherung und stimmen zuversichtlich. Sie haben die Nase vorn! 

Wir wünschen und erhoffen uns, dass der kreativen Auseinandersetzung zum bewegenden Thema jederzeit die gebührende Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Und dass Forschung, Politik, Wissenschaft enger mit Künstler*innen zusammenkommen, um sich gegenseitig zu fördern und voneinander zu lernen, damit Raum für kreative Lösungsansätze entstehen und neues Denken möglich wird. 

Verfasst im Namen der Jury – Susanna Hofmann

 
Climate is everyone's business
David Buckland
Künstler*innen haben die Aufgabe, Menschen zu bewegen
Siobhàn Mc Donald
Wer sich als Einzelner bewegt, bekommt die Möglichkeit, Viele zu inspirieren und kann es schaffen, eine Menge zu bewegen
Susanna Hofmann