Sonja Maria Schobinger

Fotografie

Saaltext

„Es sind Wahrnehmungen aus einer Zeit vor meinem Erinnern: Das Kind liegt in seinem Bett. Licht wird vom Schattenspiel des sich bewegenden Baumes, der Äste, der Blätter durch das Fenster getragen und wirft tanzende Flecken auf den Leinenvorhang. So wie das Kind nach der schemenhaften Erscheinung greift, wenn die Mutter sich ihm nähert, so wird es versuchen, die flirrenden Muster zu erfassen. Es sind die ersten Begegnungen mit der äußeren Welt. Das noch fast unbewusste Beobachten jener Lichtreflexe liegt meiner ganzen Arbeit zugrunde. Dieses archaische Erlebnis steht für mich im Zentrum meines Werks, das nach wie vor ein Versuch ist, Unfassbares zu berühren und sichtbar zu machen.” Sonja Maria Schobinger, 7.1.2017

Es ist, als ob wir durch Sonja Maria Schobingers Arbeiten in das Innere der Künstlerin selbst sehen könnten. "The Secret Garden", wie sie ihr neuestes Selbstbildnis nennt, lässt den Betrachter in Ihre Dunkelkammer, vielleicht auf einen eher düsteren, melancholischen Teil ihres Ichs blicken, und gleichzeitig auf das, was daraus zu Tage tritt, nämlich das Helle, Leichte, Hoffnungsvolle.

Ihre Arbeit, die einerseits von Intuition getragen wird, anderseits durch akribische Suche entsteht, gleicht der einer Forscherin, die entdeckt, pflückt und offenbart. Präzise und mit disziplinierter Sorgfalt findet sie ihre Motive, beinahe perfekt konservierte Blumen und Blüten zum Beispiel, die ihrem wachen Blick auf dem Weg durch Alltag und Natur nicht entgehen. Schobinger präsentiert uns Momente, mit denen wir uns unweigerlich verbinden, Bilder, die in einen Dialog mit uns treten. Es ist diese besondere Beziehung mit sich selbst und den Elementen aus der Natur, die den direkten Kontakt mit dem Betrachter ermöglichen. Jedes ihrer Bilder erzeugt eine Resonanz, ein Echo, das nach innen und nach außen widerhallt und jedem, der vor ihm steht, eine Geschichte erzählt.

Im Selbstportrait "The Secret Garden" erscheint die Photographin hinter einem Leinen­vorhang, verschleiert und offen zugleich. Urschönheit ist es, die durch das Bild spricht. Blumen sind zu erkennen, auch eingestickt in das Kleid, das ihre Brust bedeckt. Sonja Maria Schobinger verwebt Bedeutungsebenen miteinander, vermählt Pflanzen, Steine, Himmel und Erde, Wälder, Berge, Regen, Schnee. Selbst die Vasen sind mehr als zufälligerweise in die Gesamtkomposition eingefallene Teile. Sie sind gezielt eingesetzte Protagonisten ihrer Bilder und ein wiederkehrendes Motiv. Wir begegnen im Werk dieser Künstlerin Erdig-Archaischem ebenso wie harmonischer Anmut, einer rauen Schneelandschaft ebenso wie einer filigranen Blüte. Ihr Verständnis für die Bildsprache des kollektiven (Unter-)Bewusstseins lässt verbor­gene und vergessene Bilder in uns aufleben und ans Licht bringen.

01/2017 Text – Balz Andrea Alter, lic.phil. Universität Basel – Medienanthropologe und Kunsttheoretiker

 
 
 

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